Fachschaft Geschichte
-
Ganslmaier-Hainzl Maria
-
Jeide Thomas
-
Köpf Petra
-
Dr. Lämmermann Susanne
-
Meisinger Richard
-
Meixner Daniela
-
Meyer Martina
-
Niedermayer Christina
-
Oldehus Tanja
-
Dr. Parigger Harald
-
Port Werner
-
Reh Caroline
-
Springer Karin
-
Taube Renate (Fachbereichsleiterin)
-
Tischler Matthias
Max Mannheimer zum 32. Mal am GG
Am 04.05.2011 besuchte Herr Max Mannheimer zum 32. Male das Gymnasium Grafing, um als Zeitzeuge den Schülern der 9. Klassen über seinen Leidensweg als Jude unter nationalsozialistischer Schreckensherrschaft zu berichten.
Aus diesem Grund bat ich die Schüler der Klasse 9a, einen imaginären Brief an Herr Mannheimer zu verfassen, in dem die Schüler über ihre Eindrücke, Gefühle oder Fragen schreiben sollten, zumal sie sich – verständlicherweise – in einem offenen Unterrichtsgespräch nur sehr zurückhaltend zu ihren Eindrücken geäußert hatten. Ursprünglich war geplant, dass diese Briefe für mich anonym bleiben sollten, da ich auf keinen Fall eine wie auch immer geartete Bewertung dieser Briefe vornehmen wollte. Die Schüler sollten den Brief als ihre persönliche Erinnerung an den Vortrag von Herrn Mannheimer zurückerhalten.
Nach der Lektüre der Briefe war ich sehr beeindruckt von der Ernsthaftigkeit und Eindringlichkeit, in der sich ausnahmslos alle Schüler mit ihrer Begegnung mit Herrn Mannheimer auseinandergesetzt hatten. Aus diesem Grund beschloss ich, im Einvernehmen mit den Schülern, einige der Briefe anonym auf die Internetseite unserer Schule zu stellen. Die Auswahl fiel mir sehr schwer und richtete sich schließlich nach einzelnen Aspekten, die diese Schüler in ihren Briefen besonders zur Sprache gebracht hatten.
Abschließend einigten wir uns darauf, diese Briefe - allerdings nicht mehr anonym - an Herrn Mannheimer weiterzuleiten. (Daniela Meixner)
Sehr geehrter Herr Mannheimer,
ich wollte mich ganz herzlich für den Vortrag, den Sie an unserer Schule gehalten haben, bedanken. Dass Sie in ihrem betagten Alter immer noch die Kraft aufbringen, jungen Menschen von ihrem Leid zu erzählen, das die Nationalsozialisten Ihnen und Millionen Menschen mehr angetan haben, beeindruckt mich sehr und hat höchste Anerkennung verdient. Die Brutalitäten des Nationalsozialismus dürfen nicht in Vergessenheit geraten, um in Zukunft Dinge wie das Nazi-Regime nicht mehr vorkommen zu lassen, und Sie, Herr Mannheimer, leisten daher die bedeutendste Arbeit für diese Aufklärung.
Im Geschichtsunterricht lernen wir zwar Daten und Fakten der Zeit, durch Ihren Besuch ist mir allerdings erst so richtig klar geworden, was die Gewalt gegen die Juden im Einzelnen bedeutet hat. Sie haben von Dingen gesprochen, die man Ihnen angetan hat, die wir uns gar nicht mehr vorstellen können, und wir können froh sein, dass wir sie nicht erleben mussten. Sie jedoch haben sie erlebt und stellen sich auch noch vor uns Schüler hin, um uns davon zu erzählen. Sie leisten wirklich Großartiges.
In diesem Sinne bedanke ich mich nochmal sehr herzlich dafür, dass Sie den interessanten, beeindruckenden und kurzweiligen Vortrag auch mit so viel Witz und Humor, aber vor allem zum Nachdenken anregend gehalten haben.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie noch lange Zeit an Schulen gehen können, um anderen diese Erfahrungen zu geben, die Sie mir gegeben haben.
Ich freue mich, Sie kennengelernt zu haben.
Sehr geehrter Herr Mannheimer,
zuerst möchte ich Ihnen meinen tiefsten Respekt ausdrücken, allein schon dafür, dass Sie in ein Land zurückkehren konnten, in dem Sie so eine Ausgrenzung, Demütigung und ein solches Leid erfahren haben, wie es für uns nur schwer vorstellbar ist. Hinzu kommt meine Bewunderung, wie Sie mit Ihren Erfahrungen umgehen konnten und können. Auch dass Sie das Erlebte immer wieder erzählen und vielleicht somit irgendwie verarbeiten, falls dies überhaupt möglich ist.
Für unsere Generation ist es heute kaum vorstellbar, dass der Nationalsozialismus in der Form überhaupt existierte, geschweige denn vor weniger als 100 Jahren.
Deswegen halte ich es auch für äußerst wichtig, dass wir die Zeitzeugen noch „erleben“ können und von ihnen etwas über das Geschehene erfahren können. Vielleicht verhindert eben nämlich das, dass etwas derartiges irgendwann erneut geschieht. Ich danke Ihnen wirklich von Herzen für Ihren Vortrag. Ich habe an dem Tag noch länger über alles nachgedacht, aber begreifen werde ich es wohl doch nie. Aber ich fühle mich nun doch noch mehr dazu verpflichtet, meinen Teil dazu beizutragen, dass Ähnliches sich nie wiederholen wird. Auch hierfür danke ich Ihnen.
Ich wünsche Ihnen für Ihr Leben alles erdenklich Gute, und dass Sie dieses in Zukunft friedlich führen können.
Sehr geehrter Herr Mannheimer,
vielen Dank für Ihren interessanten Vortrag. Es war mir eine große Freude, ja schon fast eine Ehre, Ihnen zuhören zu dürfen. Besonders bewundere ich Sie für Ihren Mut, sich immer wieder vor so eine große Menge von Leuten zu stellen und über diese Ereignisse zu reden und sie somit immer wieder zu durchleben, was bestimmt nicht leicht für Sie ist und Sie am Anfang sicherlich viel Überwindung kostete.
An dieser Stelle möchte ich Sie noch etwas fragen, was ich mich nicht vor allen anderen traute zu fragen. Sind Sie eigentlich gläubiger Jude? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, inwiefern hat Ihnen ihr Glaube durch die schwere Zeit im KZ geholfen? Hat er Ihnen geholfen?
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen, und wollte Ihnen noch mein höchstes Lob und mein Hochachtung für Ihre Vorträge und Sie als Menschen aussprechen.
Sehr geehrter Herr Mannheimer,
Sie haben bei uns einen Vortrag gehalten, den ich sehr toll fand. Vieles, was Sie erzählt haben, wusste ich schon aus dem Geschichtsunterricht. Jedoch ist es eine vollkommen andere Erfahrung, diese Ereignisse von jemandem zu hören, der selbst all diese schlimmen Dinge erlebt hat. Die meisten Dinge werden einem erzählt, man muss sie auswendig lernen und dann weiß man ungefähr darüber Bescheid. Doch ich konnte mir nie vorstellen, wie hart diese Zeit wirklich war.
Manche Leute denken, sie hätten die größten und schlimmsten Probleme der Welt. Doch diese „Problemchen“ werden im Gegensatz zu denen, die Sie hatten, irgendwie farblos. Ich finde besonders erstaunlich, dass Sie oder wie Sie es geschafft haben, das alles durchzustehen und zu verarbeiten. Ihr Vortrag hat mir persönlich wieder Kraft gegeben, nie aufzugeben und immer weiter zu machen und weiterzuleben.
Ich bin Ihnen für diesen Vortrag sehr dankbar. Er hat, glaube ich, nicht nur mir, sondern auch anderen Schülern die Augen geöffnet, wozu Menschen eigentlich fähig waren und bestimmt noch immer sein können. Ich glaube, eine schlimmere Erfahrung, als den Nationalsozialismus als Jude miterlebt zu haben und jetzt dem Antisemitismus, den es ja noch immer gibt, standzuhalten, gibt es nicht.
Ich danke Ihnen noch einmal herzlich für diesen Vortrag.
Sehr geehrter Herr Mannheimer,
letzte Woche haben Sie bei uns an der Schule einen Vortrag gehalten, der mich sehr beeindruckt hat. Allein ihre Persönlichkeit - ein 91-jähriger Mann, der uns mit lauter, gefasster und manchmal auch belustigender Stimme seine Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus erzählt, ist beim ersten Anblick so überwältigend, auch wenn man Sie schon einmal auf einem Foto gesehen hat oder etwas über Sie in der Zeitung gelesen hat, da man sich ihr Gesicht vorstellt, wie Sie mit 20 Jahren mit leerem, verzerrtem Gesichtsausdruck die Qualen im KZ überstehen. Und nun dieses Gesicht, das interessiert wirkt und Lebensfreude ausstrahlt - auch nach all dem, was passiert ist.
Selbst wenn wir es nie richtig verstehen werden, wie es in dieser Zeit wirklich zuging, ist es uns jetzt um einiges näher gerückt.
Am beeindruckendsten finde ich jedoch immer noch die Tatsache, dass Sie uns – Deutsche und Nichtjuden – so akzeptieren, wie wir jetzt sind, und nicht wie wir bzw. unsere älteren Verwandten einmal waren, obwohl Sie sicher allen Grund dazu hätten, dieses Volk bis an Ihr Lebensende zu hassen. Sie erzählten uns von der Reichspogromnacht, der Selektion und vom Alltag in einem KZ mit einer Selbstverständlichkeit, die auf der einen Seite überraschten, auf der anderen Seite aber auch irgendwie vertraut ist. Man merkt, dass Sie uns nicht Angst machen wollen, sondern uns aufklären wollen, damit eine nationalsozialistische Bewegung nie wieder zustande kommt.
Ich bewundere Sie sehr und will mich noch einmal recht herzlich für Ihren Vortag bedanken.
Sehr geehrter Herr Mannheimer,
ich war sehr beeindruckt von Ihrem Vortrag über die schreckliche Zeit des Nationalsozialismus. Es war erschreckend, von einem Zeitzeugen Einzelheiten zu erfahren, und es hat mich sehr nachdenklich gemacht. Sie sind ein bewundernswerter Mensch, und Sie haben meinen gesamten Respekt für das, was Sie für unsere Generation und alle Menschen tun. Ich denke, gerade zu Zeiten der Medien und Computerspiele ist es besonders wichtig, dass wir genügend aufgeklärt werden, damit so etwas zutiefst Erschreckendes nie wieder eine Chance bekommt, Realität zu werden.
Ich denke, man kann nicht in Worte fassen, was Ihnen und so unzählig vielen anderen Menschen während dieser Zeit widerfahren ist, und deshalb finde ich es so bewundernswert, dass Sie trotzdem Ihr Bestes geben. Ich lese gerade Ihr Buch „Spätes Tagebuch“ und auch dafür meinen Respekt. Es ist unfassbar, dass so etwas Schlimmes wie das nationalsozialistische Regime überhaupt möglich war, und ich finde es erschreckend, wie beeinflussbar wir Menschen tatsächlich sind. Ich kann mir nur wünschen, dass etwas derart Schlimmes nie wieder geschehen wird und hoffe, dass vor allem die Jugendlichen ihre Meinung beibehalten und für ihre Freiheit, Ziele und eine Zukunft in Frieden kämpfen. Doch am meisten wünsche ich mir für Sie, Herr Mannheimer, alles, alles Gute.
Vielen, vielen Dank für ihren Vortrag.
Max Mannheimer vor Schülern der 9. Jahrgangsstufe Gymnasium Grafing, Mai 2011
Geschichte - Leben
27.01.2010: Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus: Heilwig von Brüning – ein „Lebensborn“ – Kind [2.774 KB]
26.01.-26.02.2010: Ausstellung des KJR Ebersberg zum nationalsozialistischen „Lebensborn“ am GGVom 26. Januar bis zum 26. Februar 2010 wurde am Gymnasium Grafing die von Anna Bräsel, Stefan Geib sowie Moni Lix, Stephan Neidhardt und Bernd Wolfram erstellte Ausstellung des KJR Ebersberg zum nationalsozialistischen „Lebensborn“ präsentiert. Am 26. Januar fand – als Vorbereitung auf den Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar – vor Schülerinnen und Schülern von 9. Klassen sowie der Oberstufe die offizielle Eröffnung statt, auf der Anna Bräsel über den „Lebensborn“ referierte.
Die Rassenpolitik der Nationalsozialisten beschränkte sich eben nicht auf die „Ausmerzung Minderwertiger“, sondern umfasste auch die Pflege „hochwertigen (arischen) Menschenmaterials“. Aus diesem Grund wurde 1935 von SS-Chef Heinrich Himmler der „Lebensborn“ gegründet. Eine seiner Hauptaufgaben bestand darin, Müttern unter größtmöglicher Geheimhaltung die Geburt unehelicher Kinder in einem „Lebensborn“-Heim zu ermöglichen, um sie dadurch von einer Abtreibung „arischen Bluts“ abzuhalten.
Das Streben der Nationalsozialisten in diesen „Lebensborn“-Einrichtungen war ausschließlich auf den ersehnten Zuwachs an Geburten „arischer“ Kinder gerichtet. Kein Interesse hatten die Nationalsozialisten daran, in diesen Heimen einen Rahmen dafür zu bieten, dass sich ein Gefühls- und Seelenleben der Kinder entwickeln könnte. Ganz im Gegenteil missachtete die NS-Rassenideologie die Bedürfnisse der kleinen Neugeborenen und stellte Volk und Rasse über alles.
Ein Arzt, der 1945 die Kinder, die sich im Heim in Steinhöring aufhielten, untersuchte, stellte fest, dass überdurchschnittlich viele aufgrund der fehlenden Geborgenheit und emotionalen Wärme in ihrer Entwicklung zurückgeblieben waren.
Die meisten Kinder, in deren Leben der „Lebensborn“ eingriff, werden bis an ihr Ende an den Folgen der nationalsozialistischen Rassenpolitik zu tragen haben. (Renate Taube)