Nachdrücklich anzuerkennen, was die Mehrheit auf Widerruf beschließt, das ist für mich demokratische Praxis (Siegfried Lenz)
Fachschaft Sozialkunde
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Grundwissen Sozialkunde
Das Grundwissen im Fach Sozialkunde der 10. Jahrgangsstufe könnt Ihr hier [754 KB]
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DDR-Regimekritiker hält Zeitzeugenvortrag am GG
Der Aufklärer
Am 21.02.2006 informierte der Regimekritiker Josef Budek die K13 über die Methoden und den Alltag in einem totalitären Staat namens DDR
„Diktatur macht Spaß!“ – so lautet einer der markanten Sätze, die Josef Budek kennzeichnen. Natürlich nur dann, wenn man auf der Seite der Mächtigen steht, wie Budek, geboren 1940, selbst in gehobener Stellung im Theater- und Musikbetrieb der DDR bis 1978. Der Ausstieg aus der DDR-Karriere findet nach heftigen inneren Kämpfen statt, seine Aktivitäten in der Friedensbewegung und das zunehmend regimekritische Verhalten werden auch bei der Staatssicherheit registriert, die ihn 1983 festnimmt; schließlich wird Budek ein Jahr später, 1984, in die Bundesrepublik „verkauft“. Dass er über seinen Irrtum verbittert ist, ist Budek noch heute anzumerken: „Ohne Ironie kann ich die Vergangenheit nicht erzählen, denn ich bin ja selbst darauf reingefallen.“
Somit wird aus dem karriereorientierten, angepassten SED-Mitglied der Publizist und freie Autor, der auch für das Berliner Stasi-Museum, die sog. Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße gearbeitet hat, der sich selbst und die Stationen seines Lebens in der DDR als mahnendes Beispiel sieht und der bei seinen Vorträgen die Erinnerungen wach halten und zeigen möchte, „wie sich eine moderne Diktatur vor allem der Kinder und Jugendlichen bemächtigt und damit ihre Basis schafft“.
Das Panorama der mit Anekdoten gespickten Erzählungen Budeks ist breitgefächert und eindrucksvoll: Es reicht von der Kritik an dem „verharmlosenden gegenwärtigen Ostalgie-Kult“ über das Anprangern der menschenverachtenden Regimeführung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) bis hin zur differenzierten Darstellung des Mitläufertums unter der Bevölkerung. Die Ursprünge der marxistisch-leninistischen Ideologie kommen dabei ebenso zur Sprache wie die innere Struktur der SED. Vor allem das Herrschaftsinstrumentarium der maßgeblichen DDR-Partei beleuchtet Budek intensiv und bekennt, dass er die Partei „auch nicht ernst genommen“ habe, sie aber die „einzige Chance“ gewesen sei, „nach dem Zweiten Weltkrieg auf der Gewinnerseite zu stehen“. Hier gewinnen seine Ausführungen vollends an Kontur, wenn er den Zusammenhang von Nachkriegszeit und beginnender Umerziehung der Jugend, der auch er unterworfen war, herausarbeitet: „Unsere Eltern waren die jämmerlichen Verlierer, wir wähnten uns auf der Gegenseite, waren gegen Kriegstreiber und Ausbeuter und wollten schließlich nicht wahrhaben, dass dies eine neue Diktatur bedeutet.“
Die Mechanismen eines totalitären Staats stehen so im Mittelpunkt dieses Vortrags, es geht um die Folgen jedweder Indoktrinierung und letztlich geht es auch um das Ausblenden unangenehmer, weil unvermeidlicher Realitäten. Oder wie Budek es formuliert: „Im Gefängnis erst merkte ich, dass ich mir jahrzehntelang meine DDR schöngeschrubbt hatte.“ So kommt am Ende eines spannenden Zeitzeugengesprächs eine unmissverständliche Aufforderung an die Schüler zum Vorschein, die Aufforderung, wachsam zu sein, sich gegebenenfalls aufzulehnen und sich von den Mächtigen der Welt nichts vormachen zu lassen.
Richard Meisinger
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Zeitreise wider das Vergessen
Die Klassen 10a und 10f nahmen vom 25.04. bis 27.04.06 am ‚Zeitgeschichtlichen Studienprogramm des Jugendgästehauses Dachau’ teil. Die Teilnahme unserer Schüler an diesem besonderen Bildungsangebot hat im Rahmen des Sozialkunde- bzw. Geschichtsunterrichts am GG bereits Tradition: Seit sechs Jahren studieren die Schülerinnen und Schüler während dieser drei Tage in Arbeitsgruppen die Geschichte des Nationalsozialismus in vielerlei Facetten und mit verschiedenen Schwerpunkten. Dieses Jahr waren dies ‚Kirche im NS’, ‚Frauen im NS’, ‚Das KZ Dachau in Bildern’ sowie ‚Alltag im KZ Dachau’. Die drei Tage sind von Wissensvermittlung und von bewegenden Eindrücken bestimmt, sei es beim Besuch des Gedenkstättengeländes, beim eigenständigen Erschließen von Quellenmaterial oder bei der Filmvorführung von ‚Swing Kids’. Besonders ergreifend waren diesmal die Zeitzeugengespräche – gedolmetschte Berichte von Überlebenden des KZ Dachau und seiner Außenlager aus Russland, der Ukraine und Weißrussland, die wegen des 61. Jahrestages der Befreiung des KZs in Dachau zu Besuch waren und mit uns unter einem Dach wohnten.
Wahrscheinlich geben jedoch die Eindrücke der Schülerinnen und Schüler ein authentischeres Bild dieser Tage ab, als dies durch die Darstellung des Programms möglich ist. Im Folgenden finden sich daher Reflexionen und Fotos zu dieser Zeitreise wider das Vergessen.
Lucie Bauer-Ertl, Richard Meisinger
Ich habe in Dachau viel Interessantes und Neues erfahren, z. B. dass es in den Konzentrationslagern Bordelle gab. Auch in Dachau (das ja eigentlich ein Männer-KZ war)! Es war toll, mit einem Überlebenden zu sprechen, der so bereitwillig über sein Leben im Konzentrationslager berichtet hat. Ich habe auch nicht gewusst, dass innerhalb der einzelnen Baracken besonders gewalttätige Menschen von den Nazis begünstigt wurden. Ich kann nicht verstehen, dass einige Männer, die die Bordelle besucht haben, nicht einsehen, dass es für die Frauen auch sehr schlimm war, nicht nur für die Männer. Die Willkür, der die KZ-Häftlinge ausgesetzt waren, hat mich besonders geschockt, ebenso wie die physischen und die psychischen Strafen. (Tabea Ries)
Besonders bewegend war das Zeitzeugengespräch für mich, zu erfahren, wie diese Menschen das Geschehene verarbeitet haben und wie offen sie uns Schülern darüber berichten. Wir haben etwas über das tragische Schicksal einiger KZ-Häftlinge erfahren und realisiert, dass es Tausende dieser Schicksale gab und man sich an jeden einzelnen Menschen dahinter erinnern soll.
I gnoranz
M enschenwürde
K rankheiten
O rdnung
N azis
Z ucht
E lend
N ot
T yphus
R echte
A rbeit
T rauer
I deologie
O pfer
N ationalität
S trafen
L eid
A ufstände
G ewalt
E rgebene
R assismus
D urst
A ngst
C haos
H olocaust
A llein
U nterdrückung
J ugend
U nterkunft
G emeinsam
E rlebnis
N achdenken
D anke
G espräche
Ä ngste bewältigen
S pass
T eam
E rgebnisse
H ilfsbereitschaft
A rbeit
U nterhaltung
S piele
(Antonia Orterer)
In Dachau beeindruckte mich besonders das Gespräch mit dem Zeitzeugen Nicolai Aleksandrovic. Die Möglichkeit zu haben, mit einem Überlebenden zu sprechen und konkrete Fragen stellen zu können war einmalig. Seine persönlichen Erinnerungen und Gefühle beeindruckten mich sehr, da so ein Gespräch doch viel eindringlicher ist als ein Buch oder ein Film und bestimmt ein Leben lang im Gedächtnis bleibt. (Johanna Koch)
D inge, die mich bewegt haben: Zeitzeugen, Krematorium, Bunker;
A lltag: von Hunger geplagt;
C hance durch die Befreiung durch die Amerikaner, doch gekränkt durch die Erlebnisse;
H offnung auf Freiheit vergeht beim Anblick des Grauens und des Todes;
A rbeit macht frei!
U mstände und Versorgung sehr schlecht.
(Sabine Hähnlein)
Am meisten hat mich das Gespräch mit den Überlebenden berührt und die Bilder von den Leichen und den Gefangenen. Ich fand es hochinteressant, dass die evangelische Kirche die nationalsozialistische Regierung unterstützt hat. Das habe ich zum Beispiel vorher nicht gewusst. Der Rundgang durch den Bunker war ebenfalls spannend. Ich hätte nicht gedacht, dass die SS die Gefangenen zum Selbstmord angehalten haben, dass deutsche Priester Gottesdienste abhalten durften, dass die Gefangenen nur selten und dann auch wenig Kontakt untereinander hatten, oder dass selbst unter den Gefangenen Juden fast nichts zählten. (Manuel Soukup)
Dinge, die mich bewegt haben:
Zeitzeugen, das Krematorium,
die Bilder der ausgehungerten Leichen,
jeden Morgen der Weg an den Toten vorbei.
Hoffnung, die Freunde oder Verwandten
jemals wiederzusehen
gibt es nicht mehr.
Angst, Hunger und Tod
sind Alltag.
Um frei zu sein
gehen einige freiwillig in den
Tod.
Warum?
(Janina Ruhanen)
Ein kalter Wind weht über den Appellplatz.
Er ist still und leer.
Ich stelle mir vor, wie vor 60 Jahren hier, an diesem Ort, Tausende von Menschen stehen mussten, ausgehungert, gequält und krank.
Der einzige Weg hinaus war der Schornstein des Krematoriums.
Ich glaube, zu sterben war für diese Menschen eine Erlösung.
Eine Erlösung von ihrem Leben, in dem sie nichts weiter verbrochen hatten,
als anders zu sein.
Anderer Meinung, anderer Herkunft oder anderer Überzeugung.
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